David Görges vom BVB will „die Strahlkraft von Borussia Dortmund maximieren“

Seit fast drei Jahren ist David Görges „Leiter Neue Medien / Customer Relationship -Management“ bei Vizemeister und Champions-League-Finalist Borussia Dortmund. In der kurzen Zeit hat sich in der Fußball-Bundesliga viel verändert. Nicht nur im taktischen Bereich auf dem Rasen oder im Bereich des Sponsoring – nein, längst haben Twitter, Facebook und Co. den Einzug in den professionellen Sport eingehalten. Aber was bedeutet Social Media für die Vereine und die Stadien, in den die Wettkämpfe ausgetragen werden? Dort ist der Fan Kunde und Ware zugleich und so muss er idealerweise auch gesehen und behandelt werden. Bei der Recherche zu meiner Titelstory „Twitter und Co revolutionieren den Sport“ im „IntMag – das Internet Magazin“ habe ich mit Görges über die Planungen des BVB gesprochen, die unlängst bekannt gaben, zusammen mit dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei das Stadion an der Strobel Allee aufrüsten zu wollen. Die Zitate für das Magazin.

Entstanden sind zwölf Seiten in der zweiten Ausgabe des IntMag, dass seit dem 20. Dezember 2013 im Zeitschriftenhandel und auch als App erhältlich ist.

David Görges über die Kooperation mit dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei:

David Görges: Unser Ziel ist es, das Stadionerlebnis in Bezug auf die technische Infrastruktur zu verbessern. Wenn man sich diesbezüglich die aktuelle Situation vor Augen führt, haben wir in den meisten Stadien Deutschlands erhebliches Potenzial nach oben. Die natürliche Nutzung von Online-Diensten und die telefonische Erreichbarkeit ist bei unseren Fans in der Gesamtbetrachtung ihrer Woche, häufig nur noch an einem Ort nicht geben – dem Stadion; und das wollen wir ändern.

 … über die Gefahr, dass sich durch das neue, digitale Angebot die Stimmung im Stadion verändert:

Görges: Das Wichtigste ist und bleibt das Fußballerlebnis. Das wollen wir nicht verändern, sondern im Idealfall nur bestmöglich bereichern und ergänzen. Das liegt in unserer Verantwortung und spielt bei allen Überlegungen die übergeordnete Rolle.

… über Visionen für das Stadion der Zukunft:

David Görges, Leiter Neue Medien/CRM bei Borussia Dortmund
David Görges, Leiter Neue Medien/CRM bei Borussia Dortmund

Görges: Wenn die Stadien der Zukunft die nächste technische Stufe erreicht haben, wird es für den Fan völlig normal sein, mobil zu zahlen oder sich ergänzende Statistiken zum Spiel abzurufen. Ich bin davon überzeugt, dass dies in nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Eine Vision für die Zukunft: Augmented Reality – der Fan wird die Kamera seines Smartphones Richtung Platz schwenken und das Bild auf dem Display zeigt nicht nur die Spieler, sondern zahlreiche Zusatzinformationen, wie Lauf- und Zweikampfwerte. Auch hier müssen wir uns allerdings trotz technischer Realisierbarkeit die Frage stellen, ob dies das Spieltagserblebnis wirklich aufwertet oder schlicht technische Spielerei ist, die vom eigentlichen Geschehen zu sehr ablenkt.

 … über Inspirationen für das moderne Stadion:

Görges: Wir haben uns im Vorfeld intensiv mit der Thematik „Stadion 2.0“ auseinandergesetzt und werden unser Wissen durch weitere Besuche im Ausland vertiefen. Wir glauben mit dem derzeit bestehenden Rüstzeug gute Mehrwerte für unsere Fans liefern zu können; trotzdem sehen wir, dass hier in neue Bereiche vorgestoßen wird, die auch in Zukunft mit Innovationen aufwarten werden. Viele Themen davon kennen wir heute schlicht noch nicht.

 … über europäische Vorbilder und Bechmarks:

Görges: Unseren ersten Berührungspunkt mit dem „modernen Stadion“ hatten wir im Estadio Santiago Bernabéu, dem Stadion von Real Madrid. Hier wurden uns zahlreiche Fragen zu diesem Thema beantwortet und wir konnten uns ein tolles Bild von der Technologie machen. Allerdings waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch keine Mehrwertdienste für Fans installiert. Ein offenes WLAN, welches so vielen Menschen gleichzeitig den Zugriff zum Internet erlauben sollte, fanden wir allerdings faszinierend und diese Idee haben wir mitgenommen.

 … über den Ansatz des BVB für das moderne Stadion:

Görges: Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Inter- und Intranet. Das Internet soll für den Fan grundsätzlich kostenlos sein. Seine Netzwerke und Mails soll er auch im Stadion wie selbstverständlich nutzen können. Im eigenen Stadionnetz wollen wir allerdings Zusatzdienste anbieten, die auch über mobile Payments bezogen werden können.

 … über die Effekte für Borussia Dortmund:

Görges: Der SIGNAL IDUNA PARK liegt auf Rang 1 der Zuschauerstatistik in Europa und hat eine großartige Stimmung. Wenn die durchschnittlich mehr als 80.000 im Stadion, zukünftig dieses Erlebnis auf ihren soz. Netzwerken teilen, ist das ein großartiger Effekt, der die Strahlkraft von Borussia Dortmund maximiert.

 … über die eventuellen Probleme im Bereich der Nutzerkommentare im sozialen Netz:

Görges: Die Anzahl der beleidigenden Kommentare wird nicht zunehmen. Zum einen soll es während des Spiels nicht darum gehen, Kommentare zu verfassen, sondern der Fokus soll voll auf dem Spiel liegen. Wenn dies allerdings der Fall sein sollte, dann greifen unsere klassischen Maßnahmen und wir löschen entsprechende Beiträge.

 … über die Rolle der Sponsoren des BVB:

Görges: Gerade bei verlängernden Maßnahmen, bieten sich Gespräche mit unseren Sponsoren an. Wenn ein Sponsor beispielsweise bereits die Statistiken des Spiels auf den Stadionleinwänden präsentiert, dann kann es Sinn machen, diese auch aus der gleichen Hand für Smartphones zu nutzen. Hierbei ist uns vor allem wichtig, dass die Marke ideal zu diesem Thema passt.

 … über die Projektplanung und nächsten Schritte bis zur Fertigstellung des modernen SIGNAL IDUNA PARKs:

IntMag - das Internet Magazin - Ausgabe 02_2013 - Twitter und Co revolutionieren den Sport
IntMag – das Internet Magazin – Ausgabe 02_2013 – Twitter und Co revolutionieren den Sport

Görges: Unser Ziel ist es, insgesamt 80.000 Leute mit potenziellem Internet und Zusatzdiensten auszustatten. Das ist ambitionierter, als wolle man eine Kleinstadt wie Schwerte mit 60.000 Menschen ins Internet bringen; die dann auch noch zeitgleich online gehen. So ein großes Projekt bedarf langer, ausführlicher und detaillierter Planung, damit wir ein adäquates Ergebnis erzielen. Ich muss offen sagen, dass ich den Zeitplan bei dem Projekt noch nicht abschätzen kann. Wir haben das Ziel ein flächendeckendes WLAN in bester Qualität im SIGNAL IDUNAL PARK anzubieten. Das werden wir unseren Fans bieten.

 … über Apps und Co.:

Görges: Wir können uns vorstellen, unsere eigene Applikation mit den Mehrwertdiensten im Stadion zu erweitern. Das bietet sich bei mehr als 1 Mio. Downloads einfach an. Hier würde ein sogenanntes ortsgebundenes Design zum Tragen kommen; sprich die App zeigt im Stadion ein zusätzliches Menüfeld, welches weitere Funktionen freigibt. Leute, die sich nicht im Netzwerk befinden, bekommen dieses Feld erst gar nicht zu sehen.

 … über die Theorie, in Zukunft ein Bier im Stadion via Knopfdruck zu bestellen:

Görges: Wichtig bei dem Thema „Call-a-beer“ sind auch infrastrukturelle Maßnahmen. Wenn die Reihen so eng sind, dass sich der „Bierlieferant“ mit seinem Rucksack durch diese quetschen muss, dann wird es schwierig – dafür sind Stadien häufig schlicht nicht ausgelegt. Zudem ist mir derzeit kein Verein bekannt, der dieses Projekt weiter verfolgt.

 … über Zeitlupen und Wiederholungen auf dem Smartphone wie in der Premier League:

Görges: Die Rechtesituation und Tatsachenentscheidung ist in der Bundesliga ein Faktum, dem wir uns stellen müssen. Deshalb sind Zeitlupen strittiger Szenen ein kompliziertes Thema. Nach dem Spiel Highlight-Szenen anzubieten, ist allerdings eine gute Idee. Aber auch hier steht – wie bei allem – das Spieltagserlebnis im Vordergrund. Bei knappen Entscheidungen sollten die Fans nicht ihr Handy zücken und plötzlich alle fern des Live-Spielgeschehens auf mobile Endgeräte schauen. Das ist nicht erstrebenswert.

 … über Spieltagerlebnis vs. Ablenkung durch WLAN im Stadion:

Görges: Wir haben die Verantwortung intelligente und mehrwertgetriebene Zusatzdienste anzubieten, welche das Spieltagserlebnis verbessern, aber nicht den Fokus verschieben. Bei Stadien, die bereits offenes WLAN anbieten, wird deutlich, dass die Fans während des Spiels so gut wie gar nicht online sind. Die Peaks entstehen in der Pause und in der Phase vor und nach dem Spiel. Das ist für uns des ideale und erstrebenswerte Szenario.

 … über Ideen, der Bereitstellung des offenen WLANs:

Görges: Es könnte beispielsweise einen „Spielmodus“ geben, der während des Spiels nur beschränkten Zugriff auf Dienste zulässt.

 … über weitere Zukunftsvisionen in Dortmund:

Görges: In fernerer Zukunft kann man sich sicherlich auch vorstellen, dass über 3D-Beamer in einer Halbzeitpause die Helden von früher wieder zum Leben erwachen und man die entsprechenden Spielszenen noch einmal so sieht, als wäre man live dabei. Wann das allerdings so weit ist, vermag ich nicht zu sagen.

Weitere Recherche-Texte aus der Reihe „Wie Twitter & Co. den Sport revolutionieren“:

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